Kultur
Hauptmenü
Neues
Wetter
Wirtschaft
Markt
Forum
Tourismus
Links
Kritik
Kultur
Lönsgrab
Lönskreise
Heidemuseum
Stadtbücherei
Theater
Kino
Service
Gästebuch
Impressum
Suche Hilfe Übersetzung mit SYSTRAN

Hermann Löns

Mitteilungen des Verbandes der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e. V.

Geschäftsstelle: Hermann-Löns-Straße 8,

29664 Walsrode, Tel. 05161/977 197

Allgemeiner Teil

Walsrode bald wieder „Hermann-Löns-Stadt“

Die Wogen schlugen sehr hoch, als es in Walsrode um die Abschaffung des Beinamens „Die Hermann-Löns-Stadt“ ging. Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen haben ausführlich berichtet. Ich bedanke mich bei allen, die sich für die Erhaltung des Beinamens eingesetzt haben. Für einige ging es manchmal bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Die Kommunalwahl im September dieses Jahres hat der CDU im Rat der Stadt Walsrode die absolute Mehrheit beschert. Es wird für alle Mitglieder und Leser eine freudige Mitteilung sein, wenn ich ankündige, daß die CDU den Antrag auf Wiedereinführung des Beinamens „Hermann-Löns-Stadt“ stellen wird. Damit löst sie ein Wahlversprechen ein. Ohne das Abstimmungsergebnis vorwegzunehmen, darf ich schon jetzt feststellen, daß sich der Einsatz aller gelohnt hat.

Besonders danke ich unserem diesjährigen Festredner, Ehrenlandrat Wolfgang Buhr, der zur Feierstunde deutliche Worte offen ausgesprochen hat. Seine Rede zum Thema „Hermann Löns und der Zeitgeist“ ist so wichtig, daß sie in unserer Schriftenreihe „Höret!“ als Nr. 18 erschienen ist. Die Beibehaltung des Beinamens nehme ich zum Anlaß, allen Mitgliedern dieses Heft anbei zu übersenden. Darin wird auch die unterstützende Berichterstattung der Walsroder Zeitung, unserer Heimatzeitung, so gewürdigt, daß ich mich dem anschließe.

Die Hermann-Löns-Stadt Walsrode darf nicht isoliert gesehen werden, sie ist auch Teil der Vogelpark-Region. Übrigens kann ein von Hermann Löns gemaltes Bild im Vogelpark Walsrode bewundert werden. Bekanntlich gibt es ferner eine Löns-Statue im Heidepark Soltau neben weiteren rund 140 Denkmälern. Diese Stätten belegen die sichtbare Präsenz von Hermann Löns in Deutschland, Österreich und darüber hinaus. Dennoch kann nicht genug getan werden, um sein Erbe zu erhalten. Ich rufe deshalb alle auf, noch mehr für Hermann Löns zu tun. Der Löns-Verband wird sich im nächsten Jahr an einer großen Werbeaktion des Vogelparks beteiligen, in der selbstver-ständlich auch Hermann Löns seinen Platz haben wird. Lassen Sie sich überraschen.

Ihre Monika Seidel, 1. Vorsitzende

Hermann Löns - Mythos, Kult und Wirklichkeit

Unter dem Titel „Zwei Meister“ erschien bereits 1915 ein Artikel von Friedrich von Gagern (1882-1947), in dem er neben Anton von Perfall vor allem Hermann Löns mit deutlicher Zuneigung literarisch zu analysieren und zu bewerten versuchte. Bis heute erschienen zahlreiche Texte, die teils recht objektiv Löns als Schriftsteller, Jäger und Naturliebhaber schildern. Gelegentlich wurde aber auch dieser Mann von Feinden und Freunden, Verehrern und Verächtern provokativ mit angeblichen Eigenarten ausgestattet und sogar mit psychopathologischen Charakterzügen versehen. Man beschrieb so nicht den Menschen und Schriftsteller Hermann Löns, sondern die Kunstfigur, den Mythos Löns. Zugleich verrät aber diese Beobachtung auch deutlich, wie problematisch und schwierig die Zuordnung und Einschätzung des im deutschen Sprachraum weithin bekannten und - nicht zuletzt auch von denen, die nicht überwiegend der Literatur wegen lesen - geschätzten Natur-, Heimat- und Jagdschriftstellers ist.

Seine auch von Detlev von Liliencron beeinflußten naturalistischen Gedichte und Balladen sind zu einem großen Teil von mäßiger bis minderer Qualität, in Gestalt der im Volkston musikalisch gefaßten Lieder aber zeigen sie eine schier unfaßbare Verbreitung. Peter Hille (1854-1904) ist sein großes Vorbild. Befreundet ist er mit den Schriftstellern Heinrich und Julius Hart und dem Lyriker Max Apffelstaedt. Seine Romane, Texte mit zahlreichen sprachlichen und stilistischen Mängeln erschienen in beeindruckenden Auflagen, zu denen der posthume, spätere politische Mißbrauch des Verfassers zum Glück nur wenig beitrug. Seine kurzen Skizzen und Landschafts-, Natur- und Jagdschilderungen scheinen noch in erster Linie für ihn typisch und finden unter den Lesern hohe Anerkennung - aber warum gilt dies etwa nicht für den literarisch bedeutenderen Friedrich von Gagern?

Des Autors Bedeutung als „Naturschützer“ dürfte vordergründig ein neues Interesse erwachen lassen - jedoch erscheint sein Name nirgends in den einschlägigen Traktaten und „Glaubensbekenntnissen“ der Umweltver-bände. Straßen tragen seinen Namen, Löns-Vereine und -Kreise bemühen sich um den Autor und sein Werk - aber das Durchschnittsalter der Mitglieder ist beunruhigend hoch, wenngleich zögernd auch jüngere Menschen hinzukommen.

Wer liest heute Löns? Die Jäger, sofern sie überhaupt noch lesen? Naturfreunde, wer auch immer sie sein mögen? Verehrer der Heimat „Lüneburger Heide“? Natur- und Umweltschützer? Die Fragen finden keine eindeutige, spontane Antwort. Wohl aber erscheinen seine Bücher immer noch und weiterhin.

Ein Leben der Unruhe

Wer war dieser Mann, der am Tage vor seinem Tode - er fiel am 26.9.1914 bei Loivre während des Frankreichfeldzuges - in seinem Tagebuch unter dem 25.9. notierte: „Der ganze helle Himmel von gold-gelben Wolken und Blitzlichtern. Erbsensuppe (schmeckt wieder). Tee, der Leutnant gibt Burgunder zu. Frohe Stimmung, und es geht in die Linie.“

Zwischen diesem Datum und dem seiner Geburt am 29.8.1866 spannt sich der Bogen eines Lebens, das wie nur wenige Höhen und Tiefen in schnellem Wechsel durchlief. Eine Jugend in dem westpreußischen Landstädtchen Deutsch Krone, der Besuch des Gymnasiums dort und ab 1884 in Münster/Westfalen. Ein schnell abgebrochenes Medizinstudium in Münster und Greifswald, wo er zusätzlich naturwissenschaftliche Vorlesungen hört. Nach dem Ausschluß aus der schlagenden Verbindung „Cimbria“ 1888 wechselt er den Studienort - er geht nach Göttingen, ohne dort zu immatrikulieren, geht zurück nach Münster, um Naturwissenschaften und Mathematik zu studieren. 1890 verläßt Löns, von seiner Mutter unterstützt, sein Elternhaus, das Studium wird nicht beendet, ein Jahr ist er arbeitslos.

Seine Tätigkeit als Journalist beginnt er bei der „Pfälzischen Presse“ in Kaiserslautern, geht nach Gera, das er bereits nach drei Wochen verläßt, und wird dann nach weiteren Irrwegen Mitarbeiter des „Hannoverschen Anzeigers“. Fortan wird er als Journalist arbeiten, bis ihm seine Einkünfte als Schriftsteller wenigstens zeitweise ein freieres Leben gestatten. Finanzielle Probleme bleiben ihm aber stets vertraut.

Seine zwei Ehen scheitern. 1893 heiratet er die zwei Jahre ältere Elisabeth Erbeck (1864-1922), von der er 1901 geschieden wird. 1902 wird Lisa Hausmann, eine recht selbstbewußte Redaktionssekretärin, seine zweite Frau (1871-1955). Sie verläßt ihn im Juli 1911. Zermürbende Auseinandersetzungen um Geld und Rechte beginnen.

Zuvor beginnt das eigenartige Intermezzo mit Hanna Fuess (1886-1972), einer Cousine seiner zweiten Frau. Die 24 Jahre alte, wohl recht attraktive Pastorentochter, empfindet seine Zuneigung zwar als sehr schmeichelhaft, hält aber den fordernden Mann konsequent auf Abstand. Als diese Beziehung zerbricht, wird Hanna Fuess unter dem Pseudonym „Swaantje Swantenius“ mit dem Pfund wuchern, das der Name Löns für sie bedeutet. Ihr banales, recht sentimentales Buch „Hermann Löns und die Swaantje“, mit dem sie die unerfüllte Liebe rechtfertigt und der Welt darbietet, erlebt hohe Auflagen. Diese Verbindung begann 1909, nach einem Jahr war sie bereits zerbrochen.

Löns gerät seelisch in einen gefährlich labilen Zustand, er reist rastlos umher, trinkt, schlägt sich, flieht vor Geldforderungen durch Wechsel seines Wohnortes. 1911 verliebt er sich in Ernestine Sassenberg (1890-1970), die als Kindermädchen während der Zeit in Bückeburg im Hause Löns tätig war. 1912 wird sie seine dritte Lebensgefährtin, mit der er in Hannover „ohne Trauschein“ lebt. Löns findet durch sie wieder zu einem gewissen Gleichmaß des Lebens.

Im August 1914 wird er als Kriegsfreiwilliger in das 73er Infanterieregiment in Hannover aufgenommen. Er gelangt noch zum Fronteinsatz und fällt bereits am 26.9.1914.

Zu einer gewissen Tragik in Löns’ Leben trug die Tatsache bei, daß diejenigen Menschen, die ihm besonders nahe standen, zugleich die waren, die ihm am meisten schadeten. Als erste ist hier die Cousine seiner zweiten Frau zu erwähnen, nämlich Hanna Fuess. Weiter sind der Herausgeber seiner Sämtlichen Werke und sein jüngster Bruder zu nennen; beide haben durch schriftliche Äußerungen und ihr öffentliches Auftreten maßgeblich dazu beigetragen, Löns als einen „Vorkämpfer“ des Nationalsozialismus zu denunzieren. Auch sein ansonsten recht verdienstvoller zweiter Herausgeber und Biograph hat durch seine Darstellung des Dichters im „Dritten Reich“ in gleicher Weise verhängnisvoll gewirkt.

Gleichermaßen wie die bereits genannten Personen waren auch schriftliche Äußerungen seiner ersten Frau, ebenso ihr Auftreten, dem Image von Hermann Löns nicht eben zuträglich. Auch im Zusammenhang mit ihrer Person ist immer wieder unzutreffend in der Sekundärliteratur berichtet worden, daß Löns sich von ihr habe scheiden lassen, weil die Ehe kinderlos blieb. Richtig ist hingegen, daß sie sich, die übrigens vor ihrer Ehe mit Löns schon einmal geschieden war, von ihm trennte.

Der Mythos Löns

Und schon beginnen die Legenden zu wuchern, kaum noch von übler Nachrede zu trennen.

Löns - der Frauenliebhaber, der Mädchenjäger, der hemmungslose Jäger nach der Lust. Freunde und die Kenner seines Lebens dementieren, stellen richtig und finden kein Gehör. Und sie haben dennoch Recht; die angeblich zahllosen Liebschaften sind Legende. Die wenigen Verbindungen, vor allem seine beiden Ehen, haben ihm hinreichend Qualen bereitet.

Löns - der wilde Jäger. Er war es nie! Schon früh bedeutete ihm das Leben in der Natur und ihr Erleben auf der Jagd mehr als Schuß und Beute. Seine naturwissenschaftlichen Interessen schufen Distanz zu Gier und Hemmungslosigkeit.

Löns - der Chauvinist, der ein berühmtes Kriegslied schrieb, der Nationalist, der um jeden Preis in den Krieg ziehen wollte, der frühe „Blut-und-Boden“-Ideologe, der naive Anbeter des „einfachen Lebens“, der bäuerlichen Lebensweise, die er selbst aber zu meiden vorzog. Was bleibt von diesen Zuschreibungen? So gut wie nichts! Und ihn als Wegbereiter der „braunen“ Ideologie posthum zu klassifizieren, ist genau so töricht und geschichtswissenschaftlich unsinnig, wie Richards Wagners Nähe zum Nationalsozialismus zu behaupten.

Löns - der Natur- und Umweltschützer? Dieses Charakteristikum trifft im weitesten Sinne durchaus zu, doch würde er sich heute in der Szenerie des „Umweltschutzes“ verwundert und bestürzt umsehen. Er vermochte es noch, die Problematik der industriellen Revolution und die Folgen der zunehmenden Ausbeutung und Zerstörung der Natur durch Erwerbs- und Freizeitaktivitäten in ihrer Gesamtheit ohne ideologische Scheuklappen zu sehen. Das aber ist heute nicht mehr zeitgemäß, da jeder „Schützer“ sein Totemtier auf einer Fahne vor sich trägt -  die Gesamtschau, ein integratives Denken ist diesen „Schützern“ nur selten möglich, vorausgesetzt, daß eine Ideologie sie nicht gänzlich am Denken hindert.

Seine unsinnige Denunziation als „Blut-und-Boden-Poet“ und Äußerungen etwa eines ihm eng befreundeten Malers, wie bedauerlich es sei, daß Löns das „Dritte Reich“ und den „Führer“ nicht mehr habe erleben dürfen, haben sicher auch dazu beigetragen, daß die heutige Naturschutzbewegung ihn nicht gerne als Vorkämpfer eines fundierten Natur- und Umweltschutzes anerkennt.

Und schließlich Löns - der Journalist, der Schriftsteller, der „Dichter“? Dieser Passus muß uns einige Überlegungen wert sein.

Das Werk - das Leben

Löns war trotz aller Lebenskrisen, die er mit Krankheit, Depression und Aufbegehren beantwortete, ein unermüdlicher Schreiber, teils weil sein Beruf und der Gelderwerb ihn zum Abfassen journalistischer Texte zwangen, teils aber auch, weil er zeitweise wie in einem seelischen Ausnahmezustand Romane, Erzählungen und Gedichte in kürzester Zeit und unter Eile verfaßte und niederschrieb.

Die Erscheinungsjahre seiner Bücher spiegeln dies wider, wenngleich sie natürlich nur sehr bedingt die Entstehungszeit markieren. Zwischen 1901 und 1908 erschienen das „Grüne“, „Goldene“ und „Braune Buch“ und „Was da kreucht und fleugt“. Im Jahre 1909 sind fünf Neuerscheinungen auf dem Markt, darunter zwei Romane („Der letzte Hansbur“ und „Dahinten in der Heide“), 1910 folgen „Da draußen vor dem Tore“ und „Der Wehrwolf“, im Jahre 1911 wiederum vier Bücher, unter ihnen „Der kleine Rosengarten“ mit Liedern im Volkston und „Das zweite Gesicht“, in dem die zweite Ehe und das Swaantje-Intermezzo verarbeitet werden.

Drei weitere Bücher erscheinen zwischen 1912 und 1914. Posthum werden noch fünf Bücher folgen, die Löns selbst noch zusammenstellte, darunter „Die Häuser von Ohlenhof“. Zwei Gesamtausgaben werden von Dr. F. Castelle 1924 und von W. Deimann 1960/61 herausgebracht. Beide Ausgaben sind nur noch auf dem Antiquariatsmarkt zu erhalten, eine wirklich textkritische Ausgabe steht weiterhin aus, ist aber endlich in Arbeit. Unzählige Nachdrucke, auszugsweise Wiedergaben, auch etliche wenig kompetente „Extrakte“ erschienen und erscheinen bis heute.

Eine kritische Wertung aller seiner Arbeiten ist in dem hier gegebenen Rahmen nicht möglich, dennoch wollen wir eine Gewichtung versuchen.

Sein lyrisches Werk bietet wenige, aber erstaunliche Höhepunkte, durchweg aus der Zeit von 1909/10, etwa „Ein Wiegenlied“, „Das ferne Land“ und „Rose im Schnee“. Die zahlreichen vertonten Lieder haben durch eine eingängige Melodik, auf die sich die meisten Komponisten verstanden, eine weite Verbreitung gefunden - gleichsam als Volksliedersatz recht sentimentaler Prägung. Diese Eigenart verschließt ihnen auch durchweg den Weg in die Konzertsäle. Ob diese Lieder die heutige Zeit mit ihrer Konservenmusik-Mentalität überdauern werden, bleibt abzuwarten. Den Weg vom Naturalismus in die moderne Lyrik, wie ihn Arno Holz (1863-1929) wies, ist Löns nicht mehr gegangen.

Die journalistischen Texte kann man übergehen, wenngleich sich darunter vorzügliche Darstellungen finden. Es verbleiben zwei Werkgruppen, die Romane und die Skizzensammlungen, die Natur, Tier und Jagd zum Inhalt haben. Es wird kaum Widerspruch finden, wenn man die kurzen Erzählungen und Skizzen als den Teil seines Schaffens bezeichnet, der ihrem Verfasser zu Recht als eigenständige Schöpfung zugeschrieben wird. Unter literarischen Aspekten sind die recht inhomogenen Zusammenstellungen bei aller begründeten Kritik beachtlich und beeindruckend, zuweilen einmalig und exzellent. Sollte man eine Zukunftsprognose wagen, so werden diese Texte auch weiterhin als seine Hauptleistung Beachtung finden.

Den Romanen, etwa „Der letzte Hansbur“, „Dahinten in der Heide“ und „Der Wehrwolf“ kommt thematisch immer noch eine regionale Bedeutung zu, auch „Das zweite Gesicht“ dürfte als seelische Bewältigungsarbeit des Swaantje-Problems für den Menschen Löns eine wichtige Funktion erfüllt haben, doch ist unter anderem die pubertäre Behandlung des Themas „Weib“ kaum zu ertragen. Dennoch weist auch dieses Buch einige bemerkenswert schöne Textstellen auf.

Mit „Die Häuser von Ohlenhof“ machte Löns den Versuch, Dorfstruktur, menschliches Erleben und Familien- und Regionalgeschichte in knappen Skizzen zu fassen. Es ist ihm gelungen - vielleicht hätte sich hier für den Schriftsteller Löns ein neuer Weg aufgetan.

Was aber bleibt?

Die Sensationsmeldungen und das teils lächerliche, teils bestürzende Geschehen vor der Beisetzung seiner vermeintlichen oder echten Gebeine im Jahre 1935 haben zugleich gelehrt, was politischen Kräften, einst wie heute, ein Schriftsteller zu bedeuten vermag; nichts weiter als ein Vorzeigeschild für die eigenen Ambitionen - der Schriftsteller Löns war den Nationalsozialisten herzlich gleichgültig - oder als Sündenbock und Prügelknabe, wie es etwa Martin Walser mit seiner Rede 1998 erging.

Sicher hat Löns auch durch eine letztlich falsche Selbsteinschätzung der Bedeutung seiner Werke dazu beigetragen, daß die Meinungen vor allem der literarisch Interessierten über seine Werke geteilt und nicht selten eher ablehnend klingen. Löns sah in seinen Romanen das Bleibende und Bedeutungsvolle, während er seine Natur- und Tierschilderungen ebenso wie die Arbeiten jagdlichen Inhalts eher gering schätzte. Die Nachwelt hat aber die Gewichtung anders gesehen.

Für uns heute, die wir immer noch lesen und Geschriebenes schätzen, bleibt Löns der begnadete Schilderer von Stimmungs- und Erlebnisbildern, die Natur, Tier, Jagd und Mensch noch einmal in eine traumhaft schöne, berückende Symbiose einmünden lassen. Und mit ihnen und durch sie wird Hermann Löns überleben.

Und vielleicht hat er diese Symbiose, die zugleich wie eine Utopie anmutet, auch in seinem Gedicht „Das ferne Land“ benennen wollen.

„Und das ist offenbar:

ich weiß ein Land, in dem ich niemals war,

da fließt ein Wasser, das ist silberklar,

da blühen Blumen, deren Duft ist rein

und ihre Farben sind so zart und fein,

so zart und fein, wie sonst am Himmel nur

der Abendröte allerletzte Spur

an hellen Abenden im jungen Mai

beim allerersten fernen Eulenschrei.“

Prof. Dr. Dr. Dieter Voth

und Dr. Rolf Brunk

Pulkauer Lönsfeier 2001

Samstag, 25. August fand wieder bei sehr schönem Wetter unsere Feierstunde beim „Lönsstein“ am Heidberg bei Pulkau statt. Als Überraschung hatte der dortige Verschönerungsverein veranlaßt, daß entlang des Weges zum Lönsstein etliche Tafeln mit schönen Löns-Gedichten angebracht wurden. Hier auch Dank der Frau Pauline Schuch, die die auf grünem Papier gedruckten Löns-Texte an Bäumen angebracht hatte. Die Feier selbst war gut besucht und es wirkten wieder unsere Jagdhornbläser und der Pulkauer Chor  mit. Bei den Reziationen unterstützte mich wieder Herr Dr. Frenzl. Ich gedachte auch unserer verstorbenen Mitglieder und jener Lönsfreunde, die aus Altersgründen nicht mehr kommen können. Am Abend setzten wir uns dann noch gemütlich im Gasthof zusammen

Harald Cajka

Dies und Das

Wer will mit Hermann Löns fahren?

Ist eine Fahrt mit Hermann Löns tatsächlich möglich? Fast - der ICE 988 von Hamburg trägt den Namen Hermann Löns.

Postkarte von Fred Bertelmann   

Liebe Frau Stadie, gestern nach Hause gekommen, sende ich Ihnen und den „Löns-Freunden“ und allen „Schnucken“ meinen Dank für die guten Wünsche zum Geburtstag und ganz liebe und herzliche Grüße!

            Ihr Fred Bertelmann, Regensburg

Neuerscheinungen

CDs

Richard Tauber - Ich küsse Ihre Hand Madame

Es gibt niemand in unserem Land, der nicht schon einmal ein Tauber-Lied gehört hat. Auch wenn die wenigsten wissen, wer da singt. „Dein ist mein ganzes Herz“, „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ oder „Immer nur lächeln“. Tauber hat den Geschmack der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts geprägt. Mehr noch: Er war der erste deutsche Weltstar. Ca. 50 Jahre nach seinem Tod (8.1.1948 in London), in einer Zeit, in der allenfalls seine Operettenmelodien noch im Radio gespielt werden, gilt es, den Richard Tauber der Schlager und Film-Melodien - sowie Löns-Lieder - wiederzuentdecken. Auf der CD ist Hermann Löns mit „Über die Heide geht mein Gedenken“ in der Vertonung von Franz Albert Gabriel vertreten. Der Titel wurde am 25.8.1928 aufgenommen. Es soll die seltenste Aufnahme von Richard Tauber sein!

Gerhard Zahmel

Richard Tauber: Schlager-, Film- und Operettenmelodien - Ich küsse Ihre Hand Madame, CD mit 22 Liedern und 1 „Löns-Lied“ ,Spieldauer 1 Std. 24 Min., unverbindlicher Preis im Handel 34,90 DM, Best.-Nr. Duophon 01413, Pool Musik Vertrieb, Berlin, http://www.pro-web.de/douphon

Klaus & Werner: Melodien zu Hermann Löns

In Heft 4/98 wurde die gleichnamige Video-Cassette vorgestellt. Nunmehr sind die Lieder bis auf „Verloren“ als CD erschienen mit dem Titel „Melodien zu Hermann Löns.

In bunter Folge ist der Gesang von Klaus & Werner zu den Löns-Texten zu hören. Vielleicht ist diese CD für diesen oder jenen ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Wolfgang Doose

Klaus & Werner: „Melodien zu Hermann Löns“, CD mit 12 Liedern, 15,- DM zzgl. Versandkosten, zu beziehen bei Klaus Engling, Lange Straße 40 a, 29342 Bockelskamp, Tel. (05149) 8337, Fax (05149) 1628

Buch

Dieter Voth

Der grüne Weg: Die schönsten deutschen Jagdgeschichten des 20. Jahrhunderts

Die in diesem Band gesammelten 25 Geschichten und 10 Gedichte sind ein Rückblick auf 100 Jahre Belletristik, die durchaus den Anspruch hoher Literatur, wenn auch unterschiedlich, erfüllen kann.

Von Marie von Ebner-Eschenbach rührseliger, doch immer wieder ergreifenden, Novelle „Krambambuli“ über die Beiträge von Arthur Achleiner, Rudolf Bartsch, Egon Frhr. von Kapherr, Anton Frhr. von Perfall und Peter Rosegger bis zum „Bock in den Hungerbergen“ von Hermann Löns spiegelt das geschilderte jagdliche Erleben noch die heile Welt vor dem Ersten Weltkrieg, die in den Heimatfilmen nach Ludwig Ganghofers Romanen noch einmal nach dem Zweiten Weltkrieg lebendig wird. Und doch erahnen die Balladen von Münchhausen, von Liliencron und dessen Geschichten bereits den Untergang der aristokratischen Jagd mit dem Ende der habsburgischen und wilhelminischen Monarchie.

Die Unsicherheit der Republik Österreich und in der Weimarer Republik spiegelt sich in der Jagdliteratur des hochbegabten Friedrich Frhr. von Gagern ebenso wie die Identitätskrise der Jagd in der Bundesrepublik bei seinem Sohn Falk.

Der unbeugsame Ernst Wiechert sieht die Freiheit der Jagd im Dritten Reich, trotz ihrer Aufwertung aus ideologischen Gründen, gefährdet. Diese Sorge kommt durch die Sympathie mit der Jagdbeute in „Mein erster Adler“ und „Wolfsjagd“ zum Ausdruck.

Die Jagdgeschichten von Ernst Jünger und Anna Seghers sind relativ unbekannt und trotzdem von besonderer sprachlicher Schönheit, so gegensätzlich die Weltanschauungen beider Autoren auch sein mögen.

Über rein Jagdliches hinaus gehen auch die Beiträge von Ernst Nowak, Heimito von Doderer und Frhr. von Cramer-Klett. Der heute vergessene Hannes Tuch bringt es in „Chronos schläft“ auf den Punkt: „... daß die wahren Jäger wohl alle eine Wandlung durchmachen von der Lust bis zur Erkenntnis des Jagens.“

„Wir alle sind Jäger“, dichtet Friedrich Paff, und so geht es den zeitgenössischen Schriftstellern um die literarische Gestaltung des existenzphilosophischen Erlebens von Natur, Liebe, Leben und Tod. Mythische, historische und kulturkritische Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zeichnet die Beiträge von Herbert Plate, Jochen Portmann, Götz von Bülow und Dieter Cord Voigt von Veltheim aus, wobei „Wenn die Bucheln springen“ und „Es ist ein Schnitter“ besonders ergreifend die Unmittelbarkeit von Leben und Tod auf dem vereisten See und auf der Straße bewußt machen.

Der Reigen der Novellen und Kurzgeschichten wird angenehm unterbrochen durch Gedichte von Münchausen, Liliencron, Edo von Wicht, Friedrich Paff und Erich Henn.

Der anspruchsvoll herausgegebene Band erscheint zu Recht in der Reihe Literatur und ist ein umfassender Beitrag zur lebendigen Jagdkultur.

Gerd Rohmann

(Dr. Gerd Rohmann ist Professor an der Universität/Gesamthochschule in Kassel)

Dieter Voth* (Hrsg.), Der grüne Weg: Die schönsten deutschen Jagdgeschichten des 20. Jahrhunderts, 256 S. m. 12 Zeichnungen und Anmerkungen zu den Autoren, 1. Auflage, Hannover: Landbuch-Verlag, 1999, DM 36,- ISBN 3 7842 0578 X

*Siehe auch Artikel von Prof. Dr. Dieter Voth und Dr. Rolf Brunk in diesem Heft

„Löns“ spricht sich mit langem „ö“

Als Vortragsredner in Sachen Hermann Löns bin ich viel unterwegs. Und fast immer fragt man mich dann: „Sind Sie sicher, daß es korrekt ist, den Nachnamen des Dichters gedehnt auszusprechen?“

In meiner Antwort verweise ich zumeist auf das 1922 erschienene Wilhelm-Deimann-Buch „Hermann Löns - Sein Leben und Wirken - Erster Teil“, wo sich auf Seite 121 die Anmerkung findet: „Übrigens sprechen sich die Löns mit einem langen ö im Gegensatz zu der durchweg gehörten kurzen Sprechweise ...“

Deimann untermauert seine Aussage mit zwei Zitaten. Als erstes verweist er auf die Hermann-Löns-Verszeilen:

            „Drum still, mein Herz und laß das Wimmern

            Und mach ein Ende des Gestöhns,

            Saust auch die ganze Welt in Trümmern,

            Ich bleibe doch der Hermann Löns.“

Anschließend führt er dann noch einen Reim aus dem handschriftlichen Liederbuch der Münsterischen Geographischen Gesellschaft auf; über den Vater des Dichters und seine Partnerin heißt es in dem Vierzeiler neckend:

            „Dann folgt ein kleines Pärchen,

            Das Köppchen und der Löns;

            Sie rauchen gar vergnüglich

            Und sagen sich viel Schön’s.“

Rainer Kaune

Löns-Mitteilungen I/1998
Löns-Mitteilungen II/1998
Löns-Mitteilungen III/1998
Löns-Mitteilungen I/1999
Löns-Mitteilungen II/1999
Löns-Mitteilungen I/2000
Löns-Mitteilungen II/2000
Löns-Mitteilungen III/2000
Löns-Mitteilungen IV/2000
Löns-Mitteilungen 2001
Löns-Mitteilungen I/2002
Löns-Mitteilungen II/2002
Löns-Mitteilungen III/2002
Löns-Mitteilungen IV/2002
Löns-Mitteilungen V/2002
Löns-Mitteilungen I/2003
Löns-Mitteilungen II/2003

Zuletzt geändert am: 14.01.2002

ZurückZurück...