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Donnerstag, 5. Juni 2003

Der zerbrochene Krug

Lustspiel von Heinrich von Kleist

Landesbühne Sachsen-Anhalt

Anlaß für dieses Stück war eine Wette des fünfundzwanzigjährigen Kleist. Er schloß sie mit drei Freunden. Sie eiferten, wer von ihnen den originellsten Gedanken zu Le Veaus Kupferstich "Der Richter oder Der zerbrochene Krug" entwickeln würde. Erst 1806 vollendete Kleist seine Vorstellungen. Weitere fünf Jahre vergingen, bis die Freunde das Werk gedruckt in ihren Händen hielten. Wer die Wette gewann, ist nicht überliefert. Uns aber beschert sie eine der größten deutschen Komödien, von packendem Humor und zugleich metaphorischem Hintersinn. Schon der Name der Zentralfigur, des Dorfrichters, ist symbolisch: Adam. Der "alte Adam", das Sündige, Unvollkommene schlechthin, steckt in jedem von uns. Hohe Ideale scheitern immer wieder. Adam begehrt Eve, ihre Erotik bringt ihn zu Fall. Die alte Sünde wiederholt sich stets aufs Neue. Licht in eine dunkle Angelegenheit bringt der Gerichtsschreiber namens Licht. Doch nicht nur biblischer Analogien bedient sich Kleist. Er nimmt lustvoll Anleihen bei der Antike. König Oedipus heißt seine berühmte Vorlage. Hier wie dort hat ein Richter die eigene Tat aufzuklären. Doch anders als bei Sophokles weiß Richter Adam um seine Schuld, aber er vertuscht sie. Zwar wird er entlarvt, doch die Ordnung bleibt nur oberflächlich wiederhergestellt.

Der Riß ist nicht mehr zu kitten. Und je mehr sich Adam in eigener Schuld verstrickt, desto vergnüglicher wird es für das Publikum.

 

 

Zuletzt geändert am: 21.08.2002

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